Südwest

Nach Topspiel-Klatsche: Krise bei den Stuttgarter Kickers?

Ligaprimus seit drei Spielen ohne Sieg

Nach der Topspiel-Klatsche: Krise bei den Stuttgarter Kickers?

Kevin Dicklhuber (Bild) und die Stuttgarter Kickers haben aktuell ein Formtief zu durchschreiten

Kevin Dicklhuber (Bild) und die Stuttgarter Kickers haben aktuell ein Formtief zu durchschreiten IMAGO/Pressefoto Baumann

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Nach dem 0:5 im Spitzenspiel der Regionalliga Südwest beim Tabellenzweiten TSG 1899 Hoffenheim II hatte es den Eindruck, als wollten die über 1000 mitgereisten Fans der Stuttgarter Kickers den Druck von der eigenen Mannschaft nehmen. "Ihr müsst gar niemand etwas beweisen, weil ihr bisher eine überragende Saison gespielt habt. Ihr steht als Aufsteiger immer noch auf Platz eins", rief der Capo auf dem Zaun des Gästeblocks im Dietmar-Hopp-Stadion den enttäuschten Kickers-Spielern zu.

Die Konkurrenz im Nacken

Die hatten Aufbau nötig, schließlich durchlebt der Traditionsverein aus dem Stuttgarter Stadtteil Degerloch gerade einen Negativlauf, wie man ihn dort schon lange nicht mehr erlebt hatte. Zwar sind die Blauen weiterhin Tabellenführer, doch sechs Punkte Vorsprung auf Platz zwei sind innerhalb von drei Spieltagen auf zwei Zähler zusammengeschmolzen, wobei der direkte Verfolger aus Nordbaden auch noch das Nachholspiel beim TSV Steinbach Haiger Mitte April in der Hinterhand hat.

"Es ist noch nichts passiert. Heute ist keiner Meister geworden oder hat die Meisterschaft verspielt. Es war einfach ein Topspiel, das wir so nicht verlieren dürfen. Das tut weh und tut mir auch leid für die Fans", sagte Kickers-Trainer Mustafa Ünal.

Erstmals in seiner Amtszeit seit September 2021 kassierte das Team von der Waldau zwei Niederlagen in Folge und ist jetzt seit drei Spielen sieglos. Die bisher beste Defensive der Liga musste in den vergangenen beiden Partien gegen Eintracht Frankfurt II und Hoffenheim II acht Gegentore hinnehmen. Auch der sonst so sichere Torwart Felix Dornebusch, der in 13 der 26 Partien die Null hielt, patzte am Samstagnachmittag beim zwischenzeitlichen 0:3. Bei beiden Niederlagen gegen die Bundesliga-Reserven aus Frankfurt und Hoffenheim wurde die Phase rund um die Halbzeit zum Problem für die Kickers. Während sich die Blauen gegen die SGE in zwei Minuten vor der Pause zweimal auskontern ließen, fielen im Spiel bei der TSG die ersten drei Tore innerhalb von sieben Minuten vor und nach dem Seitenwechsel. "Das ist auch eine mentale Geschichte, was die Jungs annehmen müssen. Wir müssen bei uns bleiben", sagt Ünal.

Vorne ist irgendwie der Wurm drin. Das muss aus den Köpfen raus.

Christian Mauersberger (28) über die Torflaute der Kickers

Mit David Braig, der auch schon gegen Frankfurt fehlte, Christian Mauersberger und Sinan Tekerci fiel im Spitzenspiel krankheitsbedingt fast die komplette Stamm-Offensive aus. Dabei stottert der Angriffsmotor aus der schwäbischen Autostadt in den vergangenen Wochen ohnehin etwas. In Hoffenheim blieb der Aufsteiger zum sechsten Mal in dieser Saison ohne eigenen Treffer, erzielte nur ein Tor in den vergangenen drei Spielen. "Vorne ist irgendwie der Wurm drin. Das muss aus den Köpfen raus", hatte Mauersberger bereits nach der 1:3-Heimniederlage gegen Frankfurt II gesagt. Dort hatten am Ende insgesamt 18 Ecken, für die sonst so über Standards gefährlichen Stuttgarter, keinen Ertrag gebracht. In Hoffenheim wurde der 19-jährige David Stojak, der vor der Saison aus der Verbandsliga gekommen war, für gute Trainingsleistungen mit seinem Startelfdebüt belohnt. "Es gilt weiter zusammenzuhalten. Gerade wenn es nicht läuft, muss man hart arbeiten, um über Fleiß und einfache Sachen wieder reinzukommen", appelliert Ünal an seine Mannschaft.

Die Fans im Rücken

Die Unterstützung der Fans können sich die Kickers weiter sicher sein. "Sie haben ein unglaubliches Fingerspitzengefühl nach einem 0:5 im Topspiel so zu reagieren. Ich glaube, sie merken einfach, dass wir eine gute Saison spielen. Gerade läuft es nicht so, aber ich bin mir sicher, dass wir schnell wieder in die Spur kommen und mit den Fans Siege feiern können", blickt Nico Blank auf die anstehende englische Woche mit dem Heimspiel gegen die SG Barockstadt Fulda-Lehnerz am Mittwochabend (19 Uhr). Die passende Ansage dazu kam bereits am Samstagnachmittag aus dem Gästeblock des Hoffenheimer Stadions. "Jetzt Kopf hoch, Männer, und Vollgas am Mittwoch."

Daniel Haug

Die Trainer in der Regionalliga Südwest