Football

Bucs tun für die Play-offs nur das Nötigste - Jaguars verspielen alles

NFL, Week 18: Steelers und Bills dank Jacksonville qualifiziert

Bucs tun für die Play-offs nur das Nötigste - Jaguars verspielen alles

Hat die Tampa Bay Buccaneers tatsächlich in die Play-offs der NFL geführt: Quarterback Baker Mayfield.

Hat die Tampa Bay Buccaneers tatsächlich in die Play-offs der NFL geführt: Quarterback Baker Mayfield. Getty Images

Mayfield und der Bucs-Glaube

Er hat es getan: Baker Mayfield, in der NFL-Offseason unter skeptischen Beobachtern als Nachfolger von Legende Tom Brady gekommen, hat die Tampa Bay Buccaneers zum dritten NFC-South-Titel in Folge und damit erneut in die Endrunde verholfen. Zu Saisonbeginn war dem Franchise aus Florida nicht allzu viel zugetraut worden, doch gerade Mayfield mit am Ende knapp über 4000 Passing Yards und 28 Touchdown-Pässen (beides Karrierehöchstwerte) bei zehn Interceptions machte den Play-off-Run möglich.

"Wir haben immer an uns geglaubt, wussten über die Stärken im Team genau Bescheid und ließen in der Kabine eine positive Stimmung entstehen", richtete der Auferstandene und frühere Cleveland Brown, Carolina Panther sowie Los Angeles Ram direkt nach dem finalen Regular-Season-Spiel bei den Carolina Panthers (2-15) Worte auch in Richtung der Kritiker. "An uns zu zweifeln, war leicht." Man habe aber mit harter Arbeit und Rückschlägen das Schwere erreicht - eben die Qualifikation für die nun folgende Wild Card Round.

Dabei lieferten die Bucs (9-8) übrigens kein Glanzstück ab, denn beim schwächsten Team dieser Saison begnügte sich Spielmacher Mayfield etwa mit überschaubaren 137 Yards (kein Touchdown, keine INT, kein Fumble). Am ehesten überzeugte in der recht harmlosen Offense noch Running Back Rachaad White mit 19 Läufen über 75 Yards. Weil aber die Panthers um First Overall Pick Bryce Young (94 Yards, kein TD, keine INT) ebenfalls gewohnt schwach unterwegs waren und zwischendurch Receiver DJ Chark einen Touchdown vor der Endzone kurios zu früh fallen ließ (Fumble), sollten letztlich drei Field Goals von Tampa Bays Chase McLaughlin reichen. Aus 53, 17 und 37 Yards stellte der Kicker den müden 9:0-Sieg, den dritten NFC-South-Gewinn am Stück und damit auch ein Heimspiel in der kommenden Woche her.

Saints reiben Falcons ab und erhalten sich Minichance

mehr zur NFL

Für das parallel steigende NFC-South-Duell zwischen New Orleans (9-8) und Atlanta (7-10) war damit klar, dass es um nicht mehr viel gehen würde. Genauer gesagt erhielten sich die heimischen Saints mit einem am Ende deutlichen 48-17-Blowout nur noch eine kleine Möglichkeit auf die Endrunde - sie mussten im späten NFL-Sonntagsfenster auf Niederlagen der Packers (gegen Chicago) UND Seahawks (in Arizona) hoffen.

Dennoch feierten Team und Fans dieses Statement gegen den Divisionsrivalen - der erst nach einem 7:14-Rückstand nach Quarter eins hergestellt worden war. Überragender Mann dabei: Quarterback Derek Carr, der für 264 Yards warf und zwei seiner insgesamt vier Touchdown-Pässe bei Rookie-Receiver A.T. Perry anbrachte. Auf der anderen Seite, wo mal wieder der 2022er Drittrunden-Pick Desmond Ridder für Taylor Heinicke (Knöchelverletzung) ran durfte, war es letztlich dasselbe Spiel. Ein paar gute Plays wie ein Pass auf Rookie-Running-Back Bijan Robinson für einen 71-Yard-Touchdown wechselten sich viel zu häufig mit falschen Entscheidungen ab. So warf Ridder (291 Yards, zwei Scores) auch eine fatale Interception.

Am Ende der Partie regte sich der womöglich auf dem heißen Stuhl sitzende Falcons-Cheftrainer Arthur Smith noch lautstark bei seinem Gegenüber Dennis Allen auf, weil dessen Team bei auslaufender Uhr und einem angetäuschten "Kneel Down" noch einen Touchdown zum 48:17 machte. So oder so: Die Saison Atlantas endete irgendwie passend auf deutliche und enttäuschende Art und Weise, während sich die Saints sicherlich ärgern dürften, nicht an einer Stelle einen Sieg mehr erreicht zu haben - dann wären die Play-offs sicher gewesen.

Jacksonville verspielt alles

Am meisten geärgert werden musste sich in der 19-Uhr-Schicht aber in Jacksonville. Denn die Jaguars verloren ihr letztes Regular-Season-Spiel tatsächlich mit 20:28 bei den längst ausgeschiedenen AFC-South-Rivalen aus Tennessee (6-11) und schieden damit trotz positiver 9-8-Bilanz aus. Mit einem Sieg wären sie dagegen ganz sicher in der Endrunde dabei gewesen - Heimspiel inklusive.

Trevor Lawrence

Auch die finalen Ansagen halfen nichts mehr: Trevor Lawrence und die Jaguars verpassten die Play-offs. IMAGO/USA TODAY Network

Das besonders Bittere dabei: Während anfangs zu viel zugelassen worden war - Titans-Maschine Derrick Henry lief in seinem womöglich letzten Spiel für dieses Team für stolze 153 Yards und einen Touchdown -, fand man spät nicht mehr ganz zurück. Jags-Quarterback Trevor Lawrence (280 Yards, zwei Scores), der sich außerdem untypischerweise gleich zwei Interceptions leistete, wurde mit seinen Kollegen 7:13 Minuten vor Ablauf der Uhr nahe der Goalline gestoppt - und später 1:47 vor Schluss via "turnover on downs" aufgehalten.

Fünf der letzten sechs Spiele setzte Jacksonville damit in den Sand, ein ganz schwacher Schlussspurt. Große Freude herrschte derweil in Houston vor: Denn die Texans (10-7), die sich bereits am Tag zuvor mit einem 23:19 bei den Indianapolis Colts (9-8) das Play-off-Ticket gesichert hatten, stiegen somit sogleich noch zum Sieger der AFC South auf. Damit war außerdem klar: In der Wild Card Round bekommen es die in dieser Regular Season absolut überraschenden Texaner mit den Cleveland Browns um Oldie Joe Flacco zu tun.

Ganz nebenbei verhalfen die Jaguars mit ihrer Pleite auch noch den Pittsburgh Steelers (hatten schon am Samstag mit einem 17:10 bei den Baltimore Ravens den Grundstein dafür gelegt) und den Buffalo Bills noch vor deren "Finale" in Miami zum Endrundenticket.

Was war sonst noch los? Belichicks Patriots verlieren - St. Brown überragt

Ebenfalls am frühen Sonntag waren noch einige längst ausgeschiedene Teams unterwegs - etwa die einmal mehr enttäuschenden New York Jets (7-10), die durch den Achillessehnenriss von Star-Neuzugang Aaron Rodgers in Week 1 direkt den Faden verloren hatten. Zum Abschluss dieser Regular Season gastierte die nun schon seit 2010 (längste Serie in den amerikanischen Top-4-Ligen NFL, NBA, MLB, NHL) auf ein Play-off-Ticket hoffende "Gang Green" bei den ebenfalls schlechten New England Patriots, deren Zukunft auch noch gestaltet werden muss: Wird Top-Trainer Bill Belichick fortgeschickt? Wer kommt als neuer Quarterback? Wie sieht die Vision von Besitzer Robert Kraft aus?

Sportlich sah es bei diesem Duell der traditionsreichen Franchises von der US-Ostküste so aus: Im ziemlich wilden Schneegestöber, wo zwischenzeitlich immer wieder Helfer mit Laubbläsern übers Feld im Gillette Stadium laufen und die Linien freimachen mussten, verloren die Pats mit 3:17. Abermals blieben also enttäuschte Fans in New England (Foxboro) übrig. Nach 23 Jahren und sechs Super-Bowl-Triumphen ist das Ende des 71-jährigen Cheftrainers bei den Patriots nach einer enttäuschenden Saison mit nur vier Siegen bei 13 Niederlagen so nah wie nie zuvor.

Der deutsch-amerikanische Passempfänger Amon-Ra St. Brown, der mit den Detroit Lions (12-5) schon vor der Partie den Play-off-Spot gesichert hatte, erzielte beim 30:20 gegen die Minnesota Vikings (7-10) seinen zehnten Touchdown der Saison - und wie: Nach einem Pass von Quarterback Jared Goff (320 Yards, zwei TDs, keine INT) überbrückte der 24-jährige Top-Receiver 70 Yards. Es war die längste Reception seiner Karriere. Insgesamt fing St. Brown an diesem Tag sieben Pässe für 144 Yards. Sein Teamkollege Sam LaPorta (der sich am Knie verletzte und für das Play-off-Spiel in der kommenden Woche auszufallen droht) stellte mit seinem 82. Catch im ersten Viertel, der gleichzeitig ein Touchdown war, einen neuen NFL-Rekord für einen Rookie-Tight-End auf. Die Vikings verpassten mit dieser Niederlage derweil auch ihre letzte und ohnehin nur noch minimale Chance auf die die Postseason. Dagegen konnte auch die abermalig starke Leistung von Justin Jefferson (192 Yards, ein TD) - der trotz sieben verletzungsbedingt verpassten Spielen die Marke von 1.000 Receiving Yards knackte - nichts gegen ausrichten.

mag

Extreme Play-off-Dürrephasen in der NFL: Wer hat am längsten gewartet?